Nachgefragt
Webmaster JAM im Gespräch mit Generalintendant Thorsten Wszolek
Oktober 2005, anlässlich der Premiere von DIE SCHWEBENDE JUNGFRAU
JAM: Herr Generalintendant, nach DIE SPANISCHE FLIEGE und DER WAHRE JAKOB haben Sie nun mit DIE SCHWEBENDE JUNGFRAU den dritten Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach auf den Spielplan gesetzt. Damit machen Sie diesen Autoren-Duo zu einem der wichtigsten Bestandteile neben Ihrem eigenen dramatischem Schaffen. Worin besteht in Ihren Augen das anhaltende Interesse des Publikums an diesen altbackenen Schwänken.
WSZOLEK: Nun, Herr Webmaster, das Wort "altbacken" muss ich erst einmal entschieden zurück weisen. Auch wenn diese Schwänke vor zwischen 50 und 100 Jahren geschrieben wurden, so haben sie in ihrer Komik kein Deut eingebüßt. Ich denke manchmal, Arnold und Bach haben nicht gearbeitet, wie große Dramatiker an die Sache heran gegangen wären. Vielmehr vermute ich, dass sie vom Publikum her gedacht und somit genau geplant haben, wann und wie welche Situation lustig ist. Höchst wahrscheinlich wurden die komischen Momente zuerst gefunden und dann eine Rahmenhandlung drum herum gestrickt.
JAM: Das klingt ja eigentlich, als hätten wir es da mit einer Ansammlung von Witzen und Jokes zu tun, die auch ohne Rahmenhandlung funktionieren würden.
WSZOLEK: Das wäre zu einfach – aber im Prinzip haben Sie Recht.
JAM: Herr Generalintendant, Ihnen wird nachgesagt, über ein riesengroßes Witz-Repertoire zu verfügen. Sie sind bekannt für perfekt gesetzte Pointen und die Gabe, diese in den unterschiedlichsten Dialekten zum Besten zu geben. Warum schreiben Sie solche Schwänke nicht selbst?
WSZOLEK: Ganz einfach – weil ich es nicht kann. Gemessen an den Werken von Arnold und Bach, Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, Georges Feydeau oder heute Ray Cooney zeige ich als Autor lieber begrenzt zeitliche Ausschnitte einer Familie, einer Firma, und so weiter. Also eher BUDDENBROOKS von Thomas Mann anstatt DER KEUSCHE LEBEMANN von Arnold und Bach.
JAM: Kann man also davon ausgehen, dass Sie mit anderen Autoren nur dann den Spielplan füllen und bereichern, wenn Ihnen selbst nichts zu jener Gattung einfällt?
WSZOLEK: Im Prinzip ja, aber noch viel mehr, um eine breite Programmvielfalt zu haben. Wir können nicht nur meine FRIEDHOFSGÄRTNER und ACHTEINHALB NEU-ISENBURGER spielen. Das wäre auf Dauer langweilig. Außerdem wie bereits erwähnt liebt unser Publikum die klassischen Schwänke der vorletzten Jahrhundertwende. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass beispielsweise das Volkstheater Liesel Christ in den vergangenen zehn Jahren zunehmend literarisch geworden ist. Somit haben wir uns programmatisch eher von einander entfernt und stehen weniger in Konkurrenz als früher. Die Schwänke, die wir spielen, laufen eher in der Komödie oder im Fritz-Raymond-Theater – dort allerdings auf Hochdeutsch.
JAM: Das klingt ja alles ganz wunderbar.
WSZOLEK: Ist es auch.
JAM: Dann bleibt mir nur noch ihnen für die Vorstellungen von DIE SCHWEBENDE JUNGFRAU alles Gute und viel Erfolg zu wünschen.
WSZOLEK: Herr Webmaster, ich danke Ihnen für Ihr Wohlwollen.
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